SKOPOS Studie: Mitarbeiterführung in der Krise

„In der Krise zusammenstehen!“- die vielbeschworene gemeinsame Krisenbewältigung ist für die meisten Arbeitnehmer in Deutschland scheinbar nicht die Realität. Als ob die Gesamtsituation noch nicht kritisch genug wäre: Mangelnde Mitarbeiterfürsorge und unzureichende Kommunikation in den Unternehmen führt zu Verunsicherung und Motivationsverlusten und verschärft so die Krisensituation. Dies zeigen die Ergebnisse einer branchenübergreifenden Befragung des SKOPOS Instituts für Markt- und Kommunikationsforschung.

 

Arbeitsplatz und Arbeitsklima – von der Krise betroffen

Die Krise ist für den Großteil der Befragten noch längst nicht vorbei: Nur 20% gehen davon aus, dass der Tiefpunkt der Krise in ihrem Unternehmen bereits erreicht wurde und es wieder bergauf geht. Stattdessen erwarten 40% noch eine deutliche Verschärfung der Krise in den nächsten Monaten.

Für die meisten Arbeitnehmer ist die Krise nicht abstrakt, sondern sehr konkret. Ein Viertel sieht den eigenen Arbeitsplatz aufgrund der Krise direkt gefährdet und erwartet im eigenen Unternehmen eine Kündigungswelle.

Über die Hälfte der Befragten (57%) gibt an, dass das Betriebsklima durch die Krise gelitten hat. Ein stärkeres Konkurrenzdenken im Unternehmen führt vermehrt zu Missgunst, Konflikten und Mobbing. Die Mitarbeiter richten ihr Handeln stärker auf Sicherheit aus („Nur nicht auffallen!“), statt kreative, innovative Lösungen und Wege aus der Krise zu suchen.

 

Mangelnde Mitarbeiterfürsorge in der Krise?

Gerade in Krisenzeiten kommt der Qualität der Mitarbeiterführung besonders hohe Bedeutung zu. Die Studie zeigt, dass das Verhalten der Unternehmensführung noch Optimierungspotential bietet. Denn es gelingt der Unternehmensführung in dieser kritischen Zeit nur 21% der Befragten zu motivieren, bei 63% lässt die Handlungsweise der Unternehmensführung die Motivation sogar sinken oder führt gar zur Resignation. Erschreckende 74% der Arbeitnehmer haben das Gefühl, von der Unternehmensleitung nicht als gewinnbringendes Kapital, sondern als Ballast gesehen zu werden. Sie sind der Ansicht, dass ihr Einsatz und ihre Kompetenz bei der Krisenbewältigung von der Unternehmensführung nicht ausreichend gesehen werden.

 

Insbesondere die interne Kommunikation wird kritisch beurteilt. Über die Hälfte der Arbeitnehmer (55%) fühlt sich nur unzureichend über die Auswirkungen der Krise auf das eigene Unternehmen informiert. Und 63% der Befragten haben nicht den Eindruck, dass die Unternehmensführung in der Lage ist, ein tragfähiges Zukunftskonzept zu entwickeln. Im Gegenteil: Mehr als 70% der Befragten sind davon überzeugt, dass die Unternehmensführung keine Lösungsansätze oder Maßnahmen zur Bewältigung der Krise entwirft.

 

Aufgrund der erlebten mangelnden Wertschätzung und der unzureichenden Informationspolitik fühlen sich rund ein Drittel der Arbeitnehmer (35%) mit ihren Sorgen und Ängste allein gelassen. Sie haben das Gefühl, dass die Unternehmensführung darauf nicht eingeht. Die solchermaßen als unsicher erlebte Situation begünstigt vielfältige Mutmaßungen über die weitere Unternehmensentwicklung. Im Gespräch darüber verbrauchen die Arbeitnehmer sowohl Arbeitszeit als auch Energie. Zudem führt dies dazu, dass sich die Leistungsträger im Unternehmen nach alternativen, augenscheinlich sichereren und zukunftsreicheren Arbeitsplätzen Ausschau halten.

 

Krise als Chance nutzen

Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen gerade in der Krise durch gezielte Mitarbeiterführung und interne Kommunikation positiv Einfluss auf die Unternehmenssituation nehmen können. Indem dieses Potential verschenkt wird, laufen die Unternehmen Gefahr, durch demotivierte oder resignierende Mitarbeiter die Auswirkungen der Krise auf das Unternehmen noch bedrohlich zu verschärfen

 

Zur Studie: Die Ergebnisse ermittelte das SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung im November 2009 im Rahmen einer branchenübergreifenden repräsentativen Onlinestudie (500 befragte Arbeitnehmer) in Zusammenarbeit mit dem Online-Panelanbieter ODC Services.